Eine Stunde fährt man mit der Fähre nach Elba. Die Szene wird von der Schifffahrtsgesellschaft (oder sagt man hier Fährenlinie?) Moby dominiert. Bunte Fähren mit lustigen mal mehr, mal weniger gelungenen Motiven. So kommt es, dass uns Moby Baby vor der Nase davon schippert und wir eine Stunde später an Bord von Moby Love gehen.
Die Anfahrt auf Elba ist sehr eindrücklich. Die Insel scheint meilenweit unbewohnt, erst am Ende unserer Fahrt blicken wir auf kleine Buchten in denen sich Fischerdörfer angesiedelt haben. Die Fähre legt im Hafen von Portoferraio an.Die kleine Stadt (Hauptstadt von Elba) schmiegt sich ins sanft ansteigende Land und erstrahlt in freundlichen Farben. Alles wirkt unglaublich friedlich und man bekommt nach dem ganze Trubel und der Lebendigkeit von Florenz einen Hauch Ahnung davon wie schrecklich verbannt sich Napoleon Bonaparte gefühlt haben muss.
Am 4. Mai 1814. landet er auf der Insel. Zwischen 1814 und 1815 verwaltet er sein kleines Reich mit akribischer Energie. Landwirtschaft, Handel und Transportwesen organisiert er um und entwirft auch die Fahne Elbas neu. Auf der weissen Flagge finden sich goldenen Bienen auf rotem Balken. Überhaupt ist die Biene die für emsigen Fleiss steht sein Liebstes Symbol das sich auch in seinen Anwesen als Wandmalerei und an den Decken immer wieder finden wird. (Was hätte Napoleon wohl über Maja und Willi gedacht).Genug der Gedanken an Napoleon wir müssen weiter. Die Strassen schlängeln sich durch die bergige Landschaft und winzige Ortschaften. Immer unbewohnter erscheint einem die Insel, auf der heute ca. 32 000 Einwohner in 8 Gemeinden leben. Damals ein Eiland mit 10.000 Einwohnern und einer Armee von 1.000 Mann. Bei aller Urlaubsfreude und romantischen Gefühlen meinerseits, hierher verbannt zu sein ein schrecklicher Gedanke.
Wir erreichen unser Hotel in Procchio Marciana mit herrlichem Meerblick. Der Strand ist wunderbar, das Wasser immer noch warm genug zum Baden, es ist Mitte September. Man kann Meterweit ins Meer hineinlaufen. Der Strand ist grobkörnig und viele rundgewaschene Steine und bunte Glasscherben liegen am Strand. Echte kleine Schätze. Einer Legende zufolge schwamm die ungezwungene Schwester Napoleons, Paolina mit Vorliebe nackt nah einer Insel im Golf von Proccio heute trägt sie Ihren Namen.Auf den Spuren Napoleons zu wandeln ist hier nicht schwierig. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist die Villa dei Mulini in Portoferraio, sie liegt zwischen den Festungen Forte Falcone und Forte Stella, mit hervorragendem Blick auf Meer und Stadt. Es ist ein steiler Weg bis zur Villa dei Mulini die schmalen Strassen heizen sich in der Mittagssonne immer mehr auf. Kleine Gassen bestimmen das Stadtbild und immer wieder hängt Wäsche zum trocknen aus den Fenstern und schleift über die Haufassaden
Die Villa dei Mulini ist von der Straße her so unscheinbar das wir fast an ihr vorbei gelaufen wären. Die Farbe an der schmuklosen Fassade ist abgeblättert und nur ein verrostetes N an der Hauswand ist ein Hinweis auf seinen historischen Hintergrund. Wir treten durch das schmale Eisentor, es herrscht erstaunlich wenig Betrieb was gut daran liegen kann, dass wir am Ende der Sasion reisen. Im inneren der Villa finden sich unzählige Wandmalereinen im Empirestile, die es dennoch nicht wirklich schaffen den Räumen Ihre Schlichtheit zu nehmen. Ursprünglich bestand das Gebäude aus zwei herzöglichen Gebäuden in denen sich bis heute der Salone degli Ufficiali (Saal der Offiziere), Salone dei Ricevimenti (Empfangssaal) bei dem die Decke angehoben wurde, das persönliche Arbeitszimmer, das Schlafzimmer und der Sala dei Valletti der Saal der Diener befinden.Die Villa ist voller Empiremöbel und Schätze, eine kleine Bibliothek befindet sich im Arbeitszimmer und viele kleine und größere persönliche Gegenstände Napoleons. Das Gebäude an sich ist sicher nicht sonderlich beeindruckend, aber einmal hier zu stehen vermittelt einem doch einen guten Eindruck wie unglaublich abgeschieden und abgeschnitten Napoleon auf Elba existierte. Bevor man jedoch wirklich Mitleid bekommt, blickt man aus dem Fenster und hat diese wunderbare Sicht auf das Meer.
Der Garten im Innenhof der Villa ist kurz davor um ihn als verwildert zu bezeichnen und hier begegnen wir neben der Büste im inneren der Villa wieder Paolina in Mamor. Nackt in der Mitte eines stillgelegten Brunnens. Man hat ohnehin den Eindruck das die Villa nicht wirklich liebevoll gepflegt wird, was sicher auch an mangelden Geldern für die Instandhaltung eines sochen Gebäudes liegen mag.Alles in allem ist es eine Reise wert, wenn ich nicht nur das machen möchte, was man auf Elba am besten kann.
Ruhe geniessen, baden und entspannen.
Text & Bilder: Stefanie